
So lange hat Luisa darauf hingearbeitet. Überstunden, Wochenendeinsätze – alles, damit es hinhaut. Und weil Freundin Elma noch umgezogen ist, hat sie am freien Sonntag noch die Latzhosen montiert und beim Schleppen geholfen. Dabei hat sie sich den Oberschenkel gezerrt und den Fuss an einer Kante aufgeritzt. Aber weil es ja galt, sich auf die Ferien zu freuen – und das kann Luisa nur, wenn einerseits die Arbeit erledigt ist, zu Hause die Post und die Einzahlungen gemacht sind, die Eltern noch einmal besucht, mit allen Freundinnen noch einmal telefoniert wurde und die Nachbarin samt Katze und Blumen mit exakter Checkliste versorgt ist – geht sie nicht zum Arzt. Keine Zeit.
Wenn keine Zeit bleibt – nicht einmal für Erste Hilfe
Der Riss im Fuss entzündet sich. Zu Hause ist kein Verbandszeug mehr – das hatte sie mal dem Nachbarn ausgeliehen und nie zurückbekommen. In die Apotheke gehen? Geht nicht. Der Terminkalender ist voll mit den letzten Dingen. Keine Zeit.
Wenn To-do-Listen wachsen statt schrumpfen
Weil die Berge der To-dos immer grösser und nicht wie geplant kleiner werden, fängt Luisa an, immer später ins Bett zu gehen. Und weil sie die letzten Mails noch um 23:30 Uhr schreibt, kann sie danach nicht einschlafen. Der Kopf dreht sich nur noch um die noch zu erledigenden Dinge. Wo sie vor drei Wochen noch zehn Punkte auf ihrer Liste hatte, vermehren sich diese nun in feingliedrige Zwangsmomente. Denn wäre sie ganz ehrlich, könnte sie auch von den Ferien aus eine Postkarte zum Geburtstag versenden – und müsste nicht schon vorher die Karte vorschreiben.
Urlaub – aber kein Abschalten möglich
Es kommt, wie es kommen muss. Luisa fliegt endlich ab nach Fuerteventura. Doch wie kommt sie an? Mit einem entzündeten Fuss – ins Meer kann sie deshalb nicht. Der Oberschenkel ist noch nicht geheilt, die schönen Spaziergänge fallen aus, es bleiben knappe Runden ums Hotel. Den mitgebrachten Krimi kann sie nicht lesen, da sie dauernd einschläft. Doch nachts kann sie trotzdem nicht richtig schlafen – ihr ganzes System ist vom Stress vorher durcheinandergeraten.
Die große Frage: Wofür das alles?
Die Frage poppt auf: Wofür der ganze Stress? Um im Job zu glänzen? Um von den Freundinnen und der Familie als Goldversion ihrer selbst gelobt zu werden? Um andere zu beeindrucken – mit allem, woran sie auch noch gedacht hat? Um dann als Wrack, körperlich und seelisch verfranzt, im Liegestuhl zu liegen?
Zeit für einen Perspektivwechsel
Wie wäre es mit mehr Selbstfürsorge? Ein paar heilige Regeln für sich selbst? Wenn es im Job steil zu und her geht, muss die Familie eben mal in den Mond schauen! Wenn es wichtige private Termine gibt, braucht es im Job Priorisierungen – und ab und zu mal ein Nein! Möchtegern-Glanzeinlagen wie vorgeschriebene Geburtstagskarten werden ganz gestrichen. Verpasste Rechnungen? Kommen als Mahnung wieder. Nicht schlimm! Kaputte Pflanzen kann man ersetzen – ein defekter Oberschenkel nicht!
Selbstfürsorge beginnt mit einer einfachen Frage
Also immer zuerst die Frage: Was brauche ich?
Und dann: Was braucht die Welt von mir?
Wenn Luisa sich das nächste Mal nach diesem Prinzip abgrenzt, sich selbst ernst nimmt und für ihre eigene Fürsorge sorgt, wird sie nicht nur die nächsten Ferien geniessen können – sondern auch die Zeit dazwischen.
Damit es dir nicht wie Luisa geht: Frag dich ab heute jeden Tag zwei einfache Dinge – am besten schon morgens. Schreib sie dir auf einen Zettel oder ins Handy:
Was brauche ich heute – ehrlich?
Was braucht die Welt wirklich von mir – und was nicht?
👉 Nimm dir 1 Minute Zeit, die Antworten zu fühlen – nicht zu rechtfertigen.
👉 Und dann handle danach: Streiche eine Aufgabe. Sag einmal Nein. Geh früher ins Bett. Es zählt.
Denn: Selbstfürsorge ist kein Luxus – sie ist die Voraussetzung dafür, dass du dein Leben auch wirklich geniessen kannst.
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