
Vor rund achtzehn Jahren fragte mich meine Mutter – bei einem guten Stück Apfelkuchen –, ob ich ihre Schule übernehmen wolle. Neugierig, aber auch skeptisch, willigte ich ein, allerdings unter der Bedingung, dass diese Romanshorner Frauenschule in den Kanton Zürich expandieren müsse.
Fünf Jahre später merkte ich, dass diese Übergabe irgendwie nicht so recht erfolgte. So entschied ich mich, einen eigenen Zürcher Flügel in Uster zu starten. Mit der Villa am Aabach hatte ich eine wunderbare Location gefunden, um im Februar bei minus zehn Grad den ersten Lehrgang «SVEB-Zertifikat Kursleiter/in» zu beginnen.
Gleichzeitig tauchten Männer auf – Ehemänner, Söhne und Freunde der damaligen Studentinnen. Sie baten mich, eine Ausnahme für sie zu machen, denn das Frauenseminar Bodensee sei ja nun am Greifensee. Ich willigte ein und fand schnell grossen Gefallen an gemischten Klassen. Allerdings hatte ich anfangs ein schlechtes Gewissen, das Zertifikat mit dem Frauenseminar-Logo in männliche Hände zu geben. Deshalb tauften wir die Zweigstelle in Uster um: Onken Academy, ein Unternehmen der FSB GmbH.

Bald zogen wir in die Brunnenstrasse, gleich nach dem Porter House die erste Tür – unter das RAV und neben das BIZ. Die Gruppen wurden immer gemischter, und das Angebot wuchs. Neben den Kursleiterausbildungen kamen auch Coachingausbildungen dazu.

2015 traf ich eine richtungsweisende Entscheidung: Die Onken Academy sollte eigenständig werden – als GmbH unter meiner Leitung. Die Zeit im Windschatten war vorbei. Es galt, allein voran zutreten und die volle Verantwortung zu übernehmen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit zitternden Knien und einer ordentlichen Portion Beklemmung das Stadthaus betrat, um das amtliche Papier zu unterzeichnen. Auch die Blumen und die gelieferte Pizza konnten diesen mutigen Schritt in die Selbstständigkeit nicht entspannen.
Heute, zehn Jahre später, nein eigentlich 14 Jahre später,
blicke ich mit einem Lächeln zurück:
Wir sind erneut umgezogen, diesmal an die Bahnstrasse. Das Angebot wurde durch
den sinnstiftenden Lehrgang «Berufsbeistandschaft» erweitert, und wir konnten bisher über 1000 Absolventinnen und Absolventen aus unseren Lehrgängen verabschieden.
Was waren wir Hebammen! Teilnehmende zeugten Ideen und gebaren ihre Konzepte. Es entstanden eigene Firmen und Praxen.
Für so viele Teilnehmende durften wir der Wendepunkt sein. Sie kamen zu uns, ratlos, arbeitslos, entmutigt, hoffnungslos, erschöpft. Durch die Ausbildung an der Onken Academy bekamen Sie neue Chancen, schöpften Kraft und erkannten ihre Ressourcen, knüpften Verbindungen und Freundschaften, entdeckten ihr Potenzial und wendeten ihr dahindümpelndes Schiff Richtung Sonnenaufgang. So viele Male durften wir anstossen auf neue Jobs und Erfolge. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Ich durfte im Team viele verschiedene Charakter und Vorzüge kennenlernen. So denke ich immer noch viel an Rebecca, Martina, Heike, Conny, Carmen und Aytac zurück.
Mich begleiteten tolle Dozent/innen, einige übernahmen sogar eine Art Mentoren Rolle. So danke ich an dieser Stelle Norina Bräm, Elfi Denk und Gunther (Schmidt). Das aktuelle Dozententeam steht an meiner Seite und wir rocken zusammen den Unterricht, der die Onken Academy in ihrer vollen Qualität erstrahlen lässt. So sind Mäggy, Isolde und Rolf von Anfang an dabei und es ist wohl an der Zeit, auch ihr Jubiläum zu feiern.
Natürlich gab es auch tragische Abschiede und traurige Nachrichten. So weilt unsere liebe Elke nicht mehr unter uns. Und auch Ignaz ist ein Land weiter gezogen.
Nebst absoluten Downs, wie der feindselige Abgang von einem Teammitglied oder gescheiterten Projekten und Kooperationen, haben wir unendlich viele Hochs gefeiert: das Zertifikat Online Training zum rechten Augenblick, viele Feste und Feiern, den geglückten Umzug an die Bahnstrasse dank der Hilfe von Sergio und Philipp und all die vielen Abschlüsse und einzelnen Hochleistungen mit Zertifikats- und Diplomfeiern.

Meine Mutter übrigens leitet ihre Schule nach wie vor in Romanshorn – und denkt auch 18 Jahre später nicht daran, sie abzugeben.
Es ist nach wie vor wagemutig, selbstständig zu sein.
Und ich würde es wieder tun.