Onken Academy –
Lernen darf auch leicht gehen.

Jetzt und wieder nur jetzt

05. Nov 2019Maya Onken

Jetzt – und dann wieder Jetzt

Ein Weg für ein leichteres, glücklicheres Leben

Manchmal braucht es mehrere Anläufe, um etwas zu verstehen. So bin auch ich dem Thema Achtsamkeit schon ein paar Mal in meinem Leben begegnet. Bei jeder Krankheit, die mich fiebrig und zitternd im Bett behielt, nahm ich mir vor, das Leben mehr zu geniessen, mehr im Hier und Jetzt zu sein, anstatt ständig dem nächsten Thema nachzujagen. In den wundervollen Kursen «Achtsames Selbstmitgefühl» und «Stressbewältigung durch Achtsamkeit» habe ich lernen dürfen, dass die Konzentration auf meinen Atem genau der Schnaufer ist, der zwischen Stressmomente gelegt werden kann. Wie eine weiche Matte, welche die Seele beruhigend und liebevoll auffängt. In den vielen Meditationsübungen habe ich – wie viele andere auch – erfahren dürfen, wie der Geist selten lange im luftleeren Raum schwebt, sondern stets abwandert und sich beim nächsten vorbeifahrenden Gedankenzug dranhängt und mitdavonbraust. Es braucht ein stetig liebevolles Ermahnen, von dem Zug wieder abzuspringen und losgelöst vom konkreten Denken frei zu schweben.

Manchmal braucht es etwas Banales, damit der Zwanziger fällt.

So hat mich am Strand in Griechenland die wundervolle Erkenntnis geküsst (und sorry, sie ist sehr banal), dass unser Leben ein Aneinanderreihen von einzelnen Jetzt-Punkten ist. Jetzt ist der Punkt, wo ich mich im Café am Meer niederlasse. Und kurz danach ist Jetzt der Punkt, wo ich sitze. Und wenig später schaue ich aufs Meer. Und kurz danach bestelle ich einen Café. Um mich herum weht ein lauer, warmer Wind. Man hört die Wellen brechen. Ein kleiner Spatz versucht den Keks neben dem Café zu erobern, den eine nette Kellnerin hingelegt hat.

Jeder dieser Momente, jeder Punkt ist für sich gesehen, ein glücklicher Augenblick. Denn was gibt es Schöneres als so zu sitzen. Mein Körper hat sich gut angefühlt, das Herz pochte, nichts tat weh, der Atem floss, die Temperatur war angenehm. Es fehlte an nichts. Es gab ja sogar einen Keks, den ich grosszügigerweise mit dem Spatzen teilte.

Und doch war ich zu jenem Zeitpunkt nicht froh. Im Gegenteil. Es ging mir richtig elend. Warum?

Weil ich mich gedanklich mit einer beängstigenden Zukunftsvision beschäftigte. Ich hatte ein inneres Bild vor mir, wie ich versagen würde, wie meine Energie nicht ausreichen würde, alle die Dinge zu erledigen, die auf mich warten und wie – zusammen mit mir – eine ganze Schule untergehen würde. Ein schreckliches Szenario.

Ich versuchte mich zu beruhigen und erinnerte mich an ähnliche Stressberge und Erschöpfungsmomente in der Vergangenheit. Doch damit ging es mir nicht besser. Denn es war der Beweis, dass diese beängstigende Zukunft möglich sein könnte.

Vielleicht war es der Spatz oder das gute Buch, das ich als Ablenkung aufschlug. Auf einmal war mir klar, dass ich der glücklichste Mensch auf Erden bin. Denn jetzt gerade ist alles in Ordnung. Es gibt die Schule, mit übrigens sehr guten Rückmeldungen, und ich sitze am Meer und trinke einen «Americano». Und eine Sekunde später sitze ich immer noch im Sommerkleid da und der Wind umspielt mich lieblich und alles ist wunderbar. Und noch eine Sekunde später ist alles immer noch wunderbar perfekt, das Meer rauscht, der Spatz pickt, das Buch flattert.

Es sind also nur die Gedanken, die auf Züge aufspringen, die in die Zukunft oder in die Vergangenheit fahren, die uns unglücklich machen. Die uns Sorgen bescheren, Zweifel hervorrufen und natürlich die passenden Emotionen dazu erzeugen. Wir sind missmutig, unglücklich, besorgt, beschwert, verunsichert, ängstlich und unlustig.

Doch jetzt gerade, in dieser Sekunde, was machst du, wenn du diesen Text liest? Du bist irgendwo, dein Atem fliesst, dein Blut zirkuliert, dein Körper funktioniert im Grossen und Ganzen, und alles ist gut. Denn wenn du Zeit hast, diesen Newsletter zu lesen, dann bist du frei von allen Sorgen und Zweifeln. Denn du bist jetzt gerade hier, mit diesen Zeilen beschäftigt. Es ist, wie wenn dich die weiche Matte zwischen Vergangenheit und Zukunft liebevoll umhüllt. Du kannst die Matte ausweiten, wenn du den nächsten Moment wieder so nimmst, wie er ist. Du bist im Jetzt. Und dann wieder im Jetzt.

Ein weiser Mann erzählt in einer Geschichte, dass es an uns liegt, welchen Garten wir um uns herum anlegen und züchten. Pflanzen wir Wutbäume und Angststräucher, Trauerblumen und Hassgrass? Oder Zuversichtshecken, Hoffnungsstauden und Glückstuja? Jeder Gedanke in die eine oder andere Richtung ist wie eine Giesskanne. Sie tränkt das Gepflanzte, hegt und pflegt es und lässt es gedeihen.

Sei also dein Boss und achte auf deine Gedanken. 

Meine Idee an dieser Stelle ist, das Jetzt einzuüben während die Giesskanne sich mit neuem Wasser füllt. Vielleicht ist es sinnvoll, diese Übung an eine Routine anzuhängen. Immer beim Zähneputzen einfach nur Jetzt. Oder beim Schuhe binden, den Punkt in der Jetztreihe zelebrieren. Denn das Geheimnis für ein glückliches Leben ist das Bewusstsein darüber, dass ein glückliches Leben ein Aneinanderreihen von Jetzt-Punkten ist. Alle diese Punkte sind sorgenfrei und gut wie sie sind.

Unsere Verabredung mit dem Leben
findet im gegenwärtigen Augenblick statt.
Und der Treffpunkt ist genau da,
wo wir uns gerade befinden.

Buddha

 

 

Achtsamkeit

Denke immer daran, dass es nur eine wichtige Zeit gibt: Heute. Hier. Jetzt. Leo Tolstoi

Denke immer daran, dass es nur eine wichtige Zeit gibt: Heute. Hier. Jetzt.

Leo Tolstoi

(Quelle: Die schönsten 150 Zitate über Achtsamkeit/ Doris Kirch/ DFME)

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