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Muttertag – eine andere Idee

03. Mai 2021Maya Onken
Maya und Julia Onken

Meine Mutter feierte ihren 79. Geburtstag am 1. Mai.

Da wir uns dieses Jahr aufgrund der Corona Pandemie nicht sehen konnten, schreib ich ihr einen Brief. Welche Mutter würde nicht gerne wissen, ob ihr Engagement für die Tochter angekommen ist?

Der Muttertag, den wir meist mit Blumen und einem Ausflugoder mit einem schönen Frühstück oder Caféstelldichein feiern, ist eigentlich dazu da, den Einsatz der Mutter zu würdigen.

Warum dies nicht mal mit einem Brief.

Diese Zeilen verfasste ich anlässlich meines Mutter Geburtstag, es hätte aber auch geradesogut der Muttertag sein können.

Mama, deine einzigartige Kombination von wunderbaren Begabungen sind bei mir angekommen. Du bist mir in all den folgenden Punkten ein Vorbild:

Du bist eine Rampensau. Bühnen lächeln dich an, laden dich ein, da hinauf zu steigen und die Menschen mit intelligenten und klugen Gedanken zu inspirieren. Ich durfte viele Male dabei sein, entweder als deine Begleitung oder zusammen mit dir im Duett. Ich hänge heute noch an deinen Lippen und jede Zelle in mir nickt und denkt: «Die Frau hat was zu sagen! Und so wie sie es macht, kommt es auch an.»

Du bist ein Fan von Ästhetik. Du freust dich auch im hohen Alter über Modekataloge. Welche Farbenpracht, welche Kombinatorik. Und das zeigst du jeden Tag. Ein stets mit gutem Geschmack gewähltes Outfit, mit passendem Schmuck. Rote Nägel und Lippen dürfen nicht fehlen. Aber auch Bilder, Kunst, Möbel, Interior, das alles macht dir Spass. Das Leben soll schön aussehen, dazu stehst du.

Du bist eine Philosophin und Denkerin. Dein Hirn ist ständig in Aktion, es denkt und kombiniert, es kreist und taucht ab in Tiefen. Und wenn du deine Funde an die Oberfläche bringst, dann werden diese Erkenntnisse weiterhin gewalkt, geknetet und gewendet. Zwischendurch erholst du dich beim Arbeiten oder Lesen. Doch kaum kehrt Stille ein, zum Beispiel des nachts, dann galoppieren deine Gedankenhengste weiter durch die Prärie.

Du bist eine virtuose Umsetzerin. Das, was du dann als ein vorläufiges Endprodukt deiner Überlegungen ansiehst, wird nicht wieder in den See zurückgeworfen. Nein, du gibst es weiter. In Form von Büchern, Texten, Vorträgen, Schulungen. Und zwar so, dass dich ALLE verstehen.

Du bist eine Übersetzerin. Und zwar von komplexen Zusammenhängen und Theorien in verständliche Bilder und Metaphern, in eine Sprache, die beim Herzen andockt und eine Leiter zum Hirn ausfahren lässt. Du erreichst damit die breite Masse. Deine Impulse fördern das Verständnis über sich selbst und andere.

Du bist eine Brückenbauerin. Und zwar zwischen Ideen über sich selbst und dem inneren eigenen Kern. Sich selbst entfremdete Personen bringst du ein Stück näher zu sich zurück. Kopfmenschen spüren ihr Herz wieder. Raupen erkennen Schmetterlingskräfte, die in ihnen schlummern. Du öffnest bei Begabungstaus die Schleusen, bei Verstockung die Sprachgewalt, bei lang gehegten Wünschen die Energie, diese umzusetzen.

Du bist eine Mutmacherin. Du zeigst seit Jahren den Frauen auf, dass sie Kräfte und Rechte haben. Und sie beides nutzen sollen, um ihr Potenzial in die Welt einzubringen. Den Forschen zeigst du Wege, wie sie Projekte zum Leben erwecken. Den Ängstlichen zeigst du die Strasse in ihr Inneres, damit sie dort durch die Berührung mit dem Vulkan ihre Begabungen erkennen und selbstbewusster und gestärkter wieder ins Aussen gehen. Selbst gehst du wie die Jeanne d’Arc voran. Gründest Schulen, Firmen und Zeitschriften. Egal was andere meinen, du glaubst an dich und deine Ideen.

Du bist ein Vorbild fürs Sichtbar werden. Die meisten Frauen leben ihr Leben nicht in voller Blüte, sie verstecken ihren Glanz und ihr Können unter aschgrauen Alltagshandlungen. Du zeigst ihnen, dass es anders geht. Du gehst an die Öffentlichkeit, mischt mit, denkst laut, intervenierst und stehst zu deiner Meinung. Dafür steckst du einiges ein: Shitstorms, Häme und böse Worte. Und trägst es mit Gelassenheit. Alles hat seinen Preis.

Du bist eine Weltenbauerin. Dein Computer und dein Hirn schaffen neue Welten durch Sprache. Deine Texte fliessen, berühren, beschreiben, inspirieren, motivieren, regen an und manchmal auch auf. Sie beglücken, belehren, bereichern und beschenken diese Welt.

Für all diese wunderbaren Facetten bin ich dir unheimlich dankbar. Du bist mir Vorbild und Vorreiterin. Dass du bei all dem Tun nicht die Mutter warst, die warme Mahlzeiten gekocht und Sonntagskleider gewaschen hat, ist Schnee von gestern. Denn jedes Kind bekommt ein Mutter- und Vaterpaket, von dem es sich ernähren kann. Kein Elternmenu deckt alle Vitamine und Ebenen der Ernährungspyramide ab. Es sind gerade die Lücken, die das Kind dazu bringt, neue Strategien zu entwickeln. Viele Kinder jammern über das Fehlende. Ich bin dankbar, dass ich die Chance hatte, diese zu füllen, ganz auf meine Weise. Denn das Schönste, was du mir von Anfang geschenkt hast, war deine Liebe zu mir. Ich war dein Wunsch – und Glückskind. Das hast du mich immer spüren lassen und dafür danke ich dir mit jeder Faser. Das Gefühl, ich bin einfach wunderbar, so wie ich bin, hat dich zu meiner besten Mutter gemacht.

Maya